Was ist bei der Raumakustik in Schulen & öffentlichen Gebäuden zu beachten?

In öffentlichen Gebäuden mit hohem Lärmpegel, insbesondere an Schulen oder Kindertagesstätten, sind die Anforderungen an akustische Bedingungen sehr anspruchsvoll. Es gibt umfangreiche Fachliteratur zum Thema, die wir Ihnen hier in der Übersicht – teilweise mit Auszügen aus dem Originaltext – zusammengestellt haben:

Buchtipp: Könnt Ihr denn nicht zuhören?! – Akustische Bedingungen in Schulen und ihre Auswirkungen auf Lernende und Lehrende

Quelle: Auszug aus dem Vortragstext "Hören in Schulen" am 14. Januar 2015 in Berlin zum Thema "Hörsamkeit in Räumen – Anforderungen und Hinweise für die Planung"

Autoren: Maria Klatte, Markus Meis, Christian Nocke, August Schick"

Trotz der offenkundigen Bedeutung einer „guten Akustik“ für erfolgreiches schulisches Lernen spielen diesbezügliche Kriterien beim Schulbau oft nur eine untergeordnete Rolle. Unterrichtsräume weisen daher häufig erhebliche raumakustische Mängel auf: Sie sind zu hallig, die Sprachverständlichkeit ist unzureichend, die Grundgeräuschpegel sind zu hoch. Eine Arbeitsgruppe am Institut zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen beschäftigt sich seit  einiger Zeit mit den akustischen Bedingungen in Schulen und deren Auswirkungen auf Befinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit von SchülerInnen und Lehrkräften. Weiterhin werden bauliche und elektroakustische Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik in Klassenräumen evaluiert. Anhand dieser Arbeiten soll die Bedeutung guter Hörbedingungen in Schulen dokumentiert und eine realistische Kosten-Nutzen-Abschätzung hinsichtlich der Verbesserungsmaßnahmen  ermöglicht werden."

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Buchtipp: Effects of noise and reverberation on speech perception and listening comprehension of children  and adults in a classroom-like setting

 Quelle: Auszug aus dem Vortragstext "Hören in Schulen" am 14. Januar 2015 in Berlin zum  Thema "Hörsamkeit in Räumen – Anforderungen und Hinweise für die Planung"

Autoren: Maria Klatte, Thomas Lachmann, Markus Meis

 "The effects of classroom noise and background speech on speech perception, measured by word-to-picture matching, and listening comprehension, measured by execution of oral  instructions, were assessed in first- and third-grade children and adults in a classroom-like  setting. For speech perception, in addition to noise, reverberation time (RT) was varied by  conducting the experiment in two virtual classrooms with mean RT = 0.47 versus RT = 1.1 s.  Children were more impaired than adults by background sounds in both speech perception and  listening comprehension. Classroom noise evoked a reliable disruption in children's speech  perception even under conditions of short reverberation. RT had no effect on speech perception in  silence, but evoked a severe increase in the impairments due to background sounds in all age  groups. For listening comprehension, impairments due to background sounds were found in the  children, stronger for first- than for third-graders, whereas adults were unaffected. Compared to  classroom noise, background speech had a smaller effect on speech perception, but a stronger  effect on listening comprehension, remaining significant when speech perception was controlled.  This indicates that background speech affects higher-order cognitive processes involved in children's comprehension. Children's ratings of the sound-induced disturbance were low overall and  uncorrelated to the actual disruption, indicating that the children did not consciously realize the  detrimental effects. The present results confirm earlier findings on the substantial impact of noise  and reverberation on children's speech perception, and extend these to classroom-like  environmental settings and listening demands closely resembling those faced by children at  school."

Weitere Informationen unter: www.din.de

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Buchtipp: Lärm in Bildungsstätten

Autoren: H.G. Schönwälder, J. Berndt, F. Ströver, G. Tiesler

"Über Probleme der akustischen Arbeitsumgebung in Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung  wird zunehmend geklagt. Die vorliegende Studie ist diesen Problemen am Beispiel von vier Grundschulen und einer Schule der Sekundarstufe I des öffentlichen Schulsystems nachgegangen: In  allen diesen Schulen wurden exemplarisch in einigen Klassenräumen (N=30) die raumakustischen  Merkmale (Nachhallzeiten; Sprachverständlichkeitsindex) überprüft. Ferner wurden in insgesamt  565 Unterrichtsstunden des 1. bis 10. Schuljahres alle geräuschwirksamen Ereignisse durch je 2 Beobachterinnen oder Beobachter registriert; gleichzeitig wurde der Geräuschpegel kontinuierlich  aufgezeichnet. Die Ergebnisse:

  1. Wenige Klassenräume genügten den (inzwischen überholten) Vorgaben für Unterrichtsräume der DIN 18041 von 1965; kein einziger Raum erfüllte die Bedingungen der inzwischen gültigen DIN 18041 von 2004.
  2. Durch bautechnische Sanierung von drei Modell-Klassenräumen konnte eine Anpassung an  die Maßstäbe der DIN 18041 von 2004 erreicht werden.
  3. Während des Unterrichts wurden Geräuschpegel zwischen 50–60 dB(A) in den seltenen  Phasen der Stillarbeit und 60 bis über 80 dB(A) in Phasen, in denen Unterrichtsgespräche dominierten, registriert. Die menschliche Stimme erwies sich als die wichtigste wirksame  Geräuschquelle.
  4. Die Lautstärke der Unterrichtsgeräusche hängt mit dem Alter der Schüler zusammen.
  5. Durch gründliches Verhaltenstraining der Schulanfänger kann erreicht werden, dass die Unterrichts-Schallpegel spürbar absinken; später durchgeführte Maßnahmen waren deutlich weniger wirksam.

Die Beschwerden über die akustischen Arbeitsbedingungen erweisen sich als berechtigt; bautechnische Sanierungsmaßnahmen von Klassenräumen gemeinsam mit rechtzeitig durchgeführtem Verhaltenstraining sind geeignet, derartige Probleme spürbar zu vermindern."

ISBN 3-86509-210-1

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Buchtipp: Gesundheitsbelastende Einflüsse auf das Leistungsvermögen im schulischen Unterricht

Quelle: Institut für interdisziplinäre Schulforschung

Autoren: Gerhart Tiesler, Hans-Georg Schönwälder, Frauke Ströver

Weitere Informationen beim Institut für interdisziplinäre Schulforschung: www.isf-bremen.de

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Buchtipp: Akustische Ergonomie der Schule

Autoren: M. Oberdörster, G. Tiesler

1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2006. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 1071)
ISBN: 3-86509-513-5, 196 Seiten

Weitere Informationen beim Institut für interdisziplinäre Schulforschung: www.isf-bremen.de

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Buchtipp: BAS: Belastung und Beanspruchung am Arbeitsplatz Schule

Quelle: Institut für interdisziplinäre Schulforschung

Autor: Prof. Dr. med. Jörg Berndt (Medizin), Prof. Dr. phil. Hans-Georg Schönwälder (Pädagogik), Prof.  Dr. phil. Dirk Busch (Soziologie), Dipl. Ing. Gerhart Tiesler (Medizintechnik)

Weitere Informationen beim Institut für interdisziplinäre Schulforschung: www.isf-bremen.de

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Buchtipp: DIN 18041. Klassenraum-Akustik - Neuland oder nur vergessen?

Quelle: Artikel aus AIT - Architektur, Innenarchitektur, Technischer Ausbau

ISSN:0173-8046

Autor: Nocke, Christian

Weitere Tipps finden Sie unter www.baufachinformation.de/